Wer immun gegen das Coronavirus ist, könnte es künftig leichter haben. Dokumentiert werden soll das in einem Immunitätsausweis. Das steht in einem Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor solchen Ausweisen und macht deutlich, dass eine Immunität bisher nicht medizinisch nachgewiesen werden könne. Gesundheitsminister Jens Spahn ist das Problem bewusst, es handele es sich um eine „vorsorgliche Regelung“, sagte er in einer Pressekonferenz.
Mit Immunitätsausweis in die Freiheit
Das Coronavirus ist auch deshalb so gefährlich, weil nicht alle Erkrankten Symptome haben und andere unbewusst anstecken könnten. Das ist ein Grund für die weitreichenden aktuellen Einschränkungen. Die Bundesregierung schlägt in ihrem „Entwurf eines Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vor, dass Menschen mit einem Nachweis, dass sie eine bestimmte Krankheit nicht mehr übertragen können, von einschränkenden Maßnahmen ganz oder teilweise ausgenommen werden sollen. Dokumentiert werden sollen die Testergebnisse laut Gesetzentwurf ähnlich dem Impfpass, was zunächst auf Bescheinigungen aus Papier schließen lässt.
Parallel wird im Hintergrund jedoch bereits an einem digitalen Gesundheitszertifikat gearbeitet, wie wir bereits berichtet haben. Dahinter stehen mit dem Verein „Digital Health Germany“ verschiedene Unternehmen, die technische Lösungen mittels Blockchain zur Lösung der Corona-Pandemie entwickeln. Dabei arbeiten sie auch mit dem Gesundheitsamt der Stadt Köln und der Bundesdruckerei zusammen. Ihre gemeinsame Motivation ist laut einem White Paper der schnelle Neustart der Wirtschaft.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll die Anwendung schon in wenigen Wochen erstmals in Nordrhein-Westfalen getestet werden. Die Grundidee ist, dass der Immunitätsstatus durch eine App abrufbar ist, die dann etwa bei der Arbeitsstelle, in Behörden oder am Flughafen vorgezeigt werden können.
WHO warnt vor Immunitätsausweisen
Ein Immunitätsausweis könnte zur Eindämmung der Pandemie allerdings genau der falsche Anreiz sein, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Denn wenn Menschen annehmen, dass sie durch eine durchstandene Infektion immun seien, könnten sie sich durch Unvorsichtigkeit erneut anstecken, befürchtet die WHO. Bisher ist wissenschaftlich nicht belegt, dass sich Menschen nach einer Corona-Erkrankung nicht wieder anstecken können. Außerdem, so kommentiert Kristiana Ludwig, können Erleichterungen bei Immunität dafür sorgen, dass sich Menschen absichtlich anstecken. Genau das würde die bisherige Strategie zunichte machen, die Ausbereitung des Coronavirus so weit wie möglich zu verlangsamen.
